Die aej-Jugendstudie „Perspektiven auf Demokratie, Religion und Islamdebatte“

Im Jahr 2021 hat die aej im Rahmen ihrer Trägerschaft im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit eine groß angelegte Studie zur Verbreitung abwertender Einstellungen gegenüber Muslim*innen unter jungen Menschen durchgeführt. Sie liefert damit eine empirische Basis für die Fortentwicklung des jugendverbandlichen Engagements gegen islam- und muslimfeindliche Einstellungen.

Bild: aej

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Entstehungskontext der Jugendstudie

Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich die aej dafür, dass die Jugendverbandslandschaft gerechter wird und künftig die diverse Bevölkerung Deutschlands in einem realistischeren Maße abbildet. Als Dachorganisation evangelischer Kinder- und Jugendarbeit führte die aej deshalb seit 2008 verschiedene Kooperations- und Coachingprojekte mit Migrant*innenjugendselbstorganisationen durch.

In diesem Zeitraum enstanden Verbandsfreundschaften zu muslimischen Jugendverbänden und führten ab 2010 zu gemeinsamen Projekten wie „Dialog und Kooperation“ (2010-2012), „Junge Muslime als Partner“ (2015-2019) oder „JETZT erst recht!“ (2018-2019), bei denen die muslimischen Partnerorganisationen bei ihrer Etablierung und Professionalisierung unterstützt wurden, während die eigenen Strukturen für das Vorhandensein von Islamfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus sensibilisiert wurden.

Seit 2020 ist die aej Trägerin im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit und verstärkt durch dieses bundesweite Projekt ihr Engagement im Themenfeld. Die Entstehung und Notwendigkeit des Kompetenznetzwerkes ist dabei Spiegelbild einer gesellschaftlichen Lage, in der sich der antimuslimische Diskurs zunehmend verschärft. Deutschland erlebte mit dem rassistisch motivierten Anschlag von Hanau im Februar 2020 nicht nur einen weiteren unerträglichen Ausbruch rechter Gewalt, auch die registrierten Fälle von antisemitischen und islamfeindlichen Straftaten sind seit Jahren auf besorgniserregend hohem Niveau.

Während die Einstellungen erwachsener Menschen in Deutschland zu diesen Fragestellungen durch regelmäßig stattfindende Erhebungen im Kontext der Vorurteilsforschung gut belegt sind, gibt es zur Verbreitung von Vorurteilen unter jungen Menschen in Gesamtdeutschland bisher nur wenige Erkenntnisse. Mit der Umsetzung der Studie „Perspektiven auf Demokratie, Religion und Islamdebatte“ hat die aej in Zusammenarbeit mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland nun einen Beitrag dazu geleistet, diese Forschungslücke zu schließen. Themen der Befragung waren neben den Vorurteilen gegenüber Muslim*innen auch Vorurteile gegenüber anderen Minderheiten, die gelebte Religiosität, Aktivitäten in der Freizeit – insbesondere Aktivitäten in Jugendverbandsstrukturen der aej, Einstellungen zur Demokratie sowie autoritäre Einstellungen.



Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die Evangelische Jugendverbandsarbeit

Einer der wichtigsten Befunde aus der Studie für die rassismuskritische Bildungsarbeit ist die Erkenntnis, dass das Wissen um vorhandene Diskriminierung die Übernahme von Vorurteilen gegenüber Muslim*innen unwahrscheinlicher macht.

Davon ausgehend könnte die bundesweite Struktur der Evangelischen Jugend die Implementierung rassismuskritischer Standards bereits dadurch erleichtern, dass die Auseinandersetzung mit Diskriminierungsformen und Rassismus in den flächendeckend durchgeführten Jugendleiter*innenkursen stärker gewichtet wird. Dies gilt auch für eine klare Positionierung zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft, da auch diese Vorurteilen entgegensteht.

Auszug aus der Studienbroschüre

„Junge Menschen, die für vorhandene Diskriminierung sensibilisiert sind, berichten deutlich weniger Vorurteile gegenüber Muslim*innen. Dies spricht deutlich dafür, die Sensibilisierung für Diskriminierung und Rassismus in unserer Gesellschaft zu schärfen – insbesondere unter jungen Menschen.“ – Studienbroschüre, S. 45

In der Vergangenheit hat die aej ihr Bekenntnis zu Vielfalt und gerechten Lebensbedingungen für alle Kinder und Jugendlichen bereits in den unterschiedlichsten Projekten und Beschlüssen deutlich gemacht. Das Bekenntnis zu einer pluralistischen Gesellschaft könnte aber noch deutlicher als Haltungsfrage thematisiert und gelebt oder auch durch theologische Ansätze bekräftigt werden. Eine Haltung, die sich gegen Diskriminierung jeder Art stark macht, würde darüber hinaus auch durch die Etablierung von Geh-Strukturen gestützt, die den Austausch zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Milieus, mit verschiedenen Religionszugehörigkeiten, zwischen denen mit und ohne eigene Diskriminierungserfahrungen erleichtern würden.


Publikation zum Thema

aej | Publikation

Islam- und muslim*innenfeindliche Einstellungen bei jungen Menschen

und die Rolle von Religiosität, Kontakt und politischer Orientierung: eine empirische Studie

Die Zusammenfassung der Ergebnisse der aej-Jugendstudie „Perspektiven auf Demokratie, Religion und Islamdebatte“ von 2021 ist nun gesammelt in einer eigenen Broschüre erschienen. Die Publikation entstand im Rahmen der aej-Trägerschaft im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit. Sie wurde angefertigt durch Olga Janzen unter Mitarbeit von Petra-Angela Ahrens und Onna Buchholt.

2022, 49 S.

Preis: kostenlos

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Onna Buchholt
Projektleiterin für Kompetenznetzwerk Prävention Islam- und Muslimfeindlichkeit
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Das Kompetenznetzwerk bündelt wir Expertise zum Themenfeld Islam- und Muslimfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus und stellt diese Expertise Bildung, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zur Verfügung. Das Ziel: antimuslimischen Rassismus in der Gesellschaft abbauen.

www.kompetenznetzwerk-imf.de

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