Inklusion - Wir räumen die Mythen aus

Über Inklusion wird viel diskutiert. Hier die Aufschlüsselung einiger Mythen, die im Zusammenhang mit Inklusion kursieren.

Zwei junge Menschen schieben Rollstuhlfahrerin. Alle haben Freude dabei.

Johannes Hübner, Evangelische Jugend Sachsen

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Inklusion, das meint ...

  • Der Begriff: Das Wort Inklusion lässt sich auf das lateinische Wort „includere“ zurückführen. Das bedeutet „umfassen“, „einschließen“.
     
  • Der Ansatz: Jeder Mensch wird von Anfang an mitbedacht und einbezogen, egal welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts, welcher Religion, welcher Behinderung, welcher Herkunft. Es sind alle Menschen im Blick.
     
  • Das Ziel: Die Idee ist, eine Gesellschaft zu haben, in der jede Person die Möglichkeit hat, dort teilzuhaben, wo sie teilhaben möchte. Dieses Ziel zu erreichen, ist ein langer Weg, ähnlich wie bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Das wird oft wie folgt missverstanden:

Mythos 1

Alle machen immer alles zusammen.

Jeder junge Mensch soll angesprochen werden und die Möglichkeit der Teilhabe bekommen. Aber Teilhabe bedeutet nicht Gleichschaltung! Bei der Planung und der Organisation müssen Unterschiedlichkeit und Diversität im Blick sein. Es ist in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll, dass alle immer alles zusammen machen. Neigungsgruppen oder spezielle Angebote, die auf bestimmte Gruppen abzielen, gehören in diesen Kontext. Inklusion und separate Freizeiten nur für Mädchen oder Jungen schließen sich nicht aus. Auch ein Angebot speziell für Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung ist sinnvoll, wenn es die Möglichkeit zur Wahl gibt. Die Arbeit mit Zielgruppen ist ein wichtiges methodisches Mittel zur Umsetzung von pädagogischen Zielen, denn Menschen haben das Bedürfnis, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und auszutauschen.

Mythos 2

100 Prozent sind immer nötig.

Es ist nicht nötig, perfekt zu sein! Die innere Haltung zu den auftauchenden Problemen ist entscheidend. Man hat die Freiheit, auch unkonventionelle Entscheidungen zu treffen oder sich einzugestehen, dass in manchen Fällen ein Umdenken erforderlich ist. Besonders wichtig ist es, sich darüber im Klaren zu sein, dass man in der Interaktion mit Menschen nie eine Linie verfolgen kann. Es ist wichtig, miteinander im Austausch zu bleiben, um, von unterschiedlichen Wahrnehmungen und Ideen inspiriert, auf neue Lösungen zu kommen. An Gruppenprozessen orientiertes Arbeiten ist besonders für inklusive Freizeiten ein Schlüssel zum Gelingen.

Mythos 3

Inklusion bezieht sich allein auf Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung.

Inklusion steht für einen Perspektivwechsel: nicht der Jugendliche muss sich in die Rahmenbedingungen ein- und anpassen,
sondern die Rahmenbedingungen müssen so angepasst werden, dass jede*r Jugendliche, der das kann und will, an den Veranstaltungen teilhaben kann. Das bezieht sich nicht nur auf Jugendliche mit Behinderung und so ist Inklusion auch nicht gemeint. Inklusion meint immer alle Menschen, die in der Gesellschaft leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen.

Mythos 4

Inklusion bedeutet, dass wir uns einschränken müssen.

Inklusion ist zuallererst eine Frage der Haltung, denn Inklusion bezieht sich auf das In-den-Blicknehmen von Hemmschwellen und Barrieren und die Beantwortung der Frage: Bin ich wirklich offen für eine Erweiterung der Zielgruppe? Die Beschäftigung mit dieser Frage und der eigenen Haltung hat zunächst erst einmal nur einen geringen Einfluss auf die Ausrichtung und das Programm von Freizeiten. Eine inklusive Freizeit bedeutet nicht unbedingt, dass ich mit der Freizeitgruppe nicht mehr Kajak fahren kann, weil das Personen mit Rollstuhl ausschließen würde. Denn 1. gibt es auch Personen im Rollstuhl, die Kajak fahren, und 2. gibt es auch Personen ohne Rollstuhl, die nicht Kajak fahren. Die Frage ist also nicht, ob ich mit meiner inklusiven Gruppe Kajak fahren kann oder nicht, sondern die Frage ist: Wie gestalte ich das Angebot so barrierefrei, dass alle Jugendlichen, die teilnehmen wollen, auch teilnehmen können?

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej): Geht doch! Wertvolle Tipps für eine inklusive Freizeitenarbeit, 1. Auflage 2020, 64 S., Seite 6-9,

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Geht doch! Wertvolle Tipps für eine inklusive Freizeitenarbeit

Evangelische Jugendarbeit kann nur eine inklusive Jugendarbeit sein. Weil Gottes Schöpfung bunt und vielfältig ist und seine Liebe alle Menschen einschließt, gilt diese Einladung auch für die Jugendarbeit: Alle sollen dazugehören können. Das gilt für Menschen mit Behinderungserfahrung gleichermaßen wie für Menschen in sozial benachteiligten Lebenslagen oder Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen. Die evangelische Jugendarbeit bietet hervorragende Möglichkeiten für inklusive Erfahrungen.

Dieses Heft enthält spannende Hinweise und kreative Ideen für die Freizeitenarbeit – damit alle dazugehören können.

1. Auflage 2020, 64 S., kt.

Die Publikation kann kostenlos bezogen werden. Nur die Versandkosten werden in Rechnung gestellt.

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Kontakt

Doris Klingenhagen
Referentin für Inklusion, Migration und Vielfalt
Daniela Hollmann
Assistentin für Inklusion, Migration und Vielfalt
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