Andachten aus Bibel AnDenken
Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.
Andacht März
Andacht – Ideen
Einstieg: »Seid Menschen«
Wenn du magst, beginne die Andacht mit Margot Friedländer und ihrem Appell an uns alle: »Seid Menschen.« Du kannst mehr über Margot Friedländer erfahren, wenn du z. B. bei YouTube nach ihr suchst. Leite über zu der Frage: Was macht uns eigentlich menschlich? Und zu der Bedeutung des Mitfühlens. »Da weinte Jesus.« (Joh 11,35)
Bibelgeschichte »Auferweckung des Lazarus«
Du kannst die Geschichte aus dem Johannesevangelium mit Hilfe des Textes unter Punkt 2 erzählen.
Musik/Lied
Singt zusammen oder spiel ein Lied ein. Anregungen findest du auf den folgenden Seiten.
Meditation/Impuls
Stell dir vor, du stehst an einem Ort, an dem alles verloren scheint. Jemand, der dir wichtig war, ist nicht mehr da. Die Stimmung ist schwer, die Luft voller Traurigkeit. Genau so geht es Maria, Marta und ihren Freunden in der Geschichte von Lazarus. Und mittendrin: Jesus. Er sieht die Tränen, spürt den Schmerz – und weint selbst.
Vielleicht kennst du solche Momente. Situationen, in denen du traurig bist, in denen du das Gefühl hast, niemand versteht dich wirklich. Vielleicht hast du schon erlebt, dass Menschen einfach nur sagen »Kopf hoch, das wird schon wieder!« – und du denkst: »Aber jetzt tut es einfach weh.«
Jesus macht etwas anderes. Er bleibt nicht cool und distanziert, sondern lässt sich berühren. Er zeigt: Es ist okay, zu weinen. Es ist okay, traurig zu sein. Tränen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von echter Verbundenheit. Sie zeigen, dass dir etwas oder jemand wirklich wichtig ist.
In Psalm 56 gibt es einen schönen Vers. Ein Mensch betet und bittet Gott: »Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel du zählst sie.«
Aus dem Gebet spricht ein tiefes Vertrauen: Gott sieht all unsere Tränen, keine einzige geht bei ihm verloren.
Und dann? Die Geschichte bleibt nicht bei den Tränen stehen. Jesus bringt Hoffnung in die scheinbar ausweglose Situation. Er ruft Lazarus ins Leben zurück. Das ist vielleicht nicht immer so offensichtlich in unserem Alltag – aber es erinnert daran: Auch wenn es schwer wird, gibt es Hoffnung. Manch-mal braucht es Zeit. Manchmal braucht es Menschen, die da sind und mit uns aushalten; so lange bis Hoffnung leise wächst.
Kreative Aktion: »Tränenkrug«
Material: Kleine Zettel, Stifte, ein schönes Gefäß
Anleitung:
• Jede*r bekommt einen Zettel. Überlegt: Wann habt ihr zuletzt geweint? Was hat euch traurig oder glücklich gemacht? Oder: Welche Tränen habt ihr bei anderen gesehen, die euch berührt haben?
• Wer mag, kann ein Stichwort oder einen Satz auf den Zettel schreiben (anonym).
• Lies Psalm 56,9 vor: »Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel du zählst sie.«
• Die Zettel werden gefaltet und in den »Tränenkrug« gelegt.
• Erkläre: Gott sieht jede Träne. Wir dürfen alles vor ihn bringen – Freude, Trauer, alles, was uns bewegt.
Optional: Im Anschluss kann jede*r einen Zettel aus dem Krug ziehen und still für die Person beten, deren Träne sie gezogen hat – ohne zu wissen, wer konkret es ist.
Das Gebet kann auch angeleitet werden, indem du für alle betest. Vielleicht mit einem der folgenden drei kurzen Gebete:
1. Guter Gott, du kennst die Träne, die ich heute halte. Sei du bei dem Menschen, dem sie gehört. Schenke Trost, Hoffnung und neue Kraft.
2. Herr, du siehst, was diesen Menschen bewegt. Nimm seine Tränen ernst und begleite ihn mit deiner Liebe.
3. Gott, ich lege die Traurigkeit und Freude dieses Menschen in deine Hände. Sei ihm nahe und schenke ihm deinen Frieden.
Die Zettel werden zurück in den Krug gelegt.
So wird aus dem Tränenkrug ein Ort der Gemeinschaft, nicht nur mit Gott, sondern auch untereinander.
Segen
Gott segne dich, dass du mitfühlst, wo andere traurig sind, dass du Hoffnung findest und verbreitest, dass du weißt: Gott sieht dich und ist dir nah.
Amen
Tuulia Telle-Steuber, Landesjugendpfarrerin in der Evangelischen Kirche im Rheinland