Andachten aus Bibel AnDenken
Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.
Andacht Januar 2026
Reden und singen über die Liebe – Andachten, Gebete, Impulse
Andacht 1: Franz sagt »L.O.V.E«
I say L.
I say L.O.
I say L.O.V.
I say L.O.V.E.
Everybody needs God’s love
In der Jugendarbeit reicht ein Lied mit Bewegung – und alle sind im Thema.
Liebe kennt jeder. Liebe ist wichtig und akzeptiert.
Seine Familie zu lieben. Seine Freundinnen und Freunde. Selbst auch geliebt zu werden.
Das Konzept der Liebe ist plausibel, weil es unserer menschlichen Grunderfahrung entspricht. Es ist wunderbar, geliebt zu werden – und es ist auch schön, anderen mit der eigenen liebevollen Zuneigung etwas zu schenken.
Nicht umsonst handeln die meisten Songs über erfüllte oder nicht erwiderte Liebe.
All you need is love.
Liebe ist in Bezug auf den Glauben nicht nur ein Gefühl, sondern eine ursprüngliche Kraft, die nicht immer zu ver-stehen ist und doch für viele Menschen große Wirkkraft hat. Gott selbst ist die Liebe. (1. Joh 4,8.16) Es geht beim Glauben dabei nicht darum, das Mysterium zu verstehen. Glaube lädt ein, im Mysterium zu leben. Mit Sinnen und Denken in den Erfahrungsraum des Glaubens und der Liebe hineinzutreten.
So wie es Franz von Assisi erlebt hat: Stell dir vor, du hast alles: Reichtum, Ansehen, eine sichere Zukunft. So war das Leben von Franz – Franz von Assisi. Ein junger Mann mit allen Möglichkeiten. Sein Vater war er ein reicher Tuchhändler in Assisi im heutigen Italien. Als Jugendlicher zog Franz mit seinen Freunden um die Häuser. Doch dieses Leben erfüllte ihn nicht. Anstatt den einfachen, ihm gebahnten Weg zu gehen, traf er eine radikale Entscheidung: Er wollte nicht einfach nur reich sein – er wollte erfüllt sein. Er spürte in sich den Ruf Gottes – einen Ruf, der ihn heraus-forderte, alles hinter sich zu lassen. Und das tat er. Er ver-schenkte sein Geld, verließ sein Elternhaus und lebte fortan als Bettelmönch auf den Straßen. Nicht aus Zwang – sondern aus Liebe.
Für Franz war klar: Gottes Liebe ist kein schöner Gedanke, sondern eine Kraft, die das ganze Leben verändert. Er sah Gott in den Armen, den Kranken, den Ausgestoßenen. Und sogar in den Tieren und der Natur. Er redete mit Vögeln, nannte die Sonne »Schwester« und den Mond »Bruder«. Für ihn war alles Teil von Gottes guter Schöpfung.
Und weil er Gott so sehr liebte, liebte er auch alles, was Gott gemacht hatte – mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und viele schlossen sich ihm an. Hunderte, Tausende, Männer und Frauen, die nach echtem Leben Sehnsucht hatten. Eine Bewegung war geboren. Franz von Assisi beschränkte sich dabei nicht auf Gebet und diakonisches Wirken. Er setzte sich – inmitten der Zeit der Kreuzzüge – für Dialog und Verständigung ein. So traf er im 13. Jahrhundert den Sultan von Ägypten auf Augenhöhe. Dieses Vorbild inspiriert heute Dialoginitiativen zwischen Religionen.
»Der Mensch hat nur das nötig, was er wirklich braucht – und das ist die Liebe Gottes.« Dieses Zitat wird Franz zugeschrieben. Und es beschreibt genau das, was ihn antrieb.
Bis heute setzen sich in diesem Geist nicht nur Ordens-menschen für ihre Mitmenschen ein. Auch die evangelische und katholische Jugendarbeit, die Pfadfinderschaften oder die ökumenische Taizé-Bewegung sind in diesem Franzis-kusspirit unterwegs, um nur einige zu nennen.
Vielleicht ist es das, was am Ende bleibt: Nicht, wie viel wir besitzen.
Nicht, was wir leisten.
Sondern wie sehr wir lieben.
Dazu braucht es nicht viel Anstrengung und Mühen.
Manchmal genügt ein einfaches: I say L.O.V.E.
Amen
Christian Uhlstein, Landesjugendpfarrer und Theologische Leitung des Amtes für Jugendarbeit
in der Evangelischen Kirche von Westfalen