Andachten aus Bibel AnDenken
Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.
Andacht Dezember 2025
Alles wird gut.
Andacht
Die Welt ist krank.
Die Fieberkurve steigt.
Wir sehen die Symptome.
Und es ist chronisch. »Denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.« Das kann ich schon im ersten Buch der Bibel lesen
(1. Mose 8,21).
Da sind die Erde und die Menschheit erst wenige Kapitel alt. Und wir sehen:
Eine Welt, die Gott
nicht fürchtet,
versinkt in Dunkel
und Unheil.
Ich frage mich immer wieder: Warum ist das so? Denn ich kann es einfach nicht begreifen. Warum ist der Mensch dem Menschen ein sprichwörtlich böser Wolf? Warum fürchtet ein Pharao zu Zeiten Mose genauso wie später König Herodes im Jahre 0 so sehr um die eigene Macht, dass sie sogar Kinder töten lassen? Warum hassen manche Menschen Juden oder Muslime oder Christen? Warum bombardiert ein Putin sein Nachbarland? Warum machen sich einige wenige die Taschen voll, während andere nicht wissen, wie sie die Familie durchbringen sollen? Warum werden immer wieder Frauen benachteiligt? Warum werden People of Color rassistisch beleidigt? Warum werden Menschen verfolgt, verlacht, missachtet, missbraucht, gefoltert und getötet?
Warum sorgen wir nicht einfach dafür, dass es allen möglichst gut geht? Wir könnten das. Ohne großen Aufwand und ohne Entbehrungen. Mit etwas guten Willen und vor allem bewusst gelebter Gerechtigkeit im Umgang mit unseren Ressourcen.
Doch das Leben scheint ein Wettkampf zu sein, bei dem es darum geht, alle anderen abzuhängen. Egal mit welchen Mitteln. Und so gibt es immer wieder Gewinnende und Verlierende. Und die Letzteren sind immer die Mehrheit.
Und Gott? Was macht Gott? Gott guckt zu. Während die Welt am Arsch ist. Das ist schwer auszuhalten. Und immer wieder muss ich mir sagen, das ist der Preis der Freiheit.
Gott hat uns alles anvertraut. Es ist allein unsere Aufgabe. Denn das Ziel ist klar: Friede auf Erde und Liebe für alle Menschen. Es könnte so schön sein.
Die Freiheit lässt uns den Spielraum dafür. Sie lässt uns gottesfürchtig oder gottlos leben. Aber anscheinend ist gottlos leben attraktiver. Denn Egoisten, Diktatoren und Unterdrücker leben meist mit dickem Konto, viel Luxus – und sie sterben auch nicht eher an Krebs als andere. Sie büßen meist nicht dafür. Sie leben wie die »Götter«.
Vor über zwei Jahren wurde der Wille Gottes wieder einmal brutal missachtet. Terroristen überfielen das Musikfestival im Süden Israels, nahe Gaza. Sie verwüsteten Kibbuzim, sie suchten gezielt Opfer, die sie bestialisch misshandelten, verschleppten und töteten. Es gibt furchtbare Filmaufnahmen, die die Hamas selbst produziert und veröffentlicht hat. Gottlose Szenen. Die Annäherung Israels mit anderen Ländern in der Region sollte damit bewusst gestoppt und zerstört werden. Und das scheint gelungen zu sein. Israel hat seinerseits massiv reagiert. Ein Krieg an vielen Fronten im Nahen Osten. So viel Leid ist geschehen; dort, wo unser Glaube seine Wurzeln hat. Dort, wo die biblischen Geschichten spielen, die mir so lieb geworden sind. Von Joseph und seinen Brüdern, von Mose, von David...
Dort, wo ein Mann und eine Frau, von Gott geführt, einen Stall fanden und Gottes Sohn zur Welt brachten. Dort wurde Gottes Name brutal geschändet, wurde Finsternis hervorgerufen, unermessliches Unrecht angetan, wurden Flügel gebrochen, wurde Unheil über Menschenkinder ausgekippt. In Israel und Palästina.
Aber so soll es nicht sein. Terror darf nach Gottes Willen nicht sein. Denn Terror zerstört, was Gott geschaffen hat.
Jetzt im Dezember ist Sonnenwende. Am 22. Dezember erleben wir die längste Nacht des Jahres. Und in diese Zeit hinein kommt die Botschaft der Gottesgeburt wie ein Lichtstrahl, als gäbe es mit der Sonnenwende auch eine Lebenswende. Eine Abwendung vom Alten zum Neuen.
»Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Ein Sohn ist uns gegeben. Und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und er heißt GottHeld, EwigVater, FriedeFürst.« Jesaja 9
Darauf dürfen wir mit großer Ehrfurcht blicken. So wie damals die Hirten inmitten der dunklen Nacht, inmitten ihrer Perspektivlosigkeit.
Wie gut passt diese Heilsbotschaft zu unserem Monatsspruch. Gott spricht: »Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.«
Ich stelle mir vor, wie sie die ganze Nacht das Lied der Engel weiter gesummt haben auf ihrem Weg zum Stall: »Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen.«
Und welche Lieder summen oder hören wir?
Und was sagen sie uns?
Der letzte Song (Kummer)
https://www.youtube.com/watch?v=e3qLmEfjXfs
»Die Menschen sind schlecht und die Welt ist am Arsch. Aber alles wird gut.« Damit endet der Kummer-Song. Das ist wie Weihnachten – und wie Ostern. Am Ende ist Licht. Das Licht der Engel über dem Feld für die Hirten – das Licht des Ostermorgens für die Frauen am Grab. Eine Sonne des Friedens und der Gerechtigkeit.
Die Sonne geht langsam auf, sie erhebt sich in den Himmel, sie strahlt über uns. Das ist ein Werden, ein Prozess. Durch achtsames, ehrfürchtiges Handeln kann es hell werden. Alles erscheint in neuem Licht. Wenn ich aus Ehrfurcht vor Gott handele, dann führt mein Handeln logischerweise zu einem gerechten Umgang miteinander und mit der Welt. Ehrfurcht vor Gott heilt die Welt.
Gerechtigkeit ist kein Lohn, sondern eine Zusage:
Achtet mich und meinen Willen, dann wird es hell und heil.
Ja, darauf hoffe ich. Alles wird gut. Es tut not!
Amen
Peter Herrfurth
Landesjugendpfarrer der Ev. Kirche in Mitteldeutschland