Andachten aus Bibel AnDenken

Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.

Cover Bibel AnDenken 2026
Seite weiterempfehlen Seite Drucken
Mai 2026
Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele Hebr 6,19

Andacht Mai 2026

Hoffnungsimpulse
Andacht
Hoffnung geht unter die Haut
Irgendwo im Westen an der Küste von Wales. Es ist zu kalt zum Baden. Mit dicker Jacke besteigst du ein Schiff. Vor der Küste liegt eine Insel, auf der keine Menschen leben, aber jede Menge Vögel. Die Tour um diese Insel verspricht dir einzigartige Eindrücke, die du dir nicht entgehen lassen willst. Die Fahrt geht schnell. Der Skipper fährt routiniert. Der Wellengang ist beachtlich. Zuerst umfahrt ihr einmal die Vogelinsel. Dann werden die Motoren hörbar leiser. In einer kleinen Bucht fährt das Schiff langsam rückwärts. Der Skipper lässt einen Anker auf den Grund. Es dauert einige Zeit und irgendwann gehen die Motoren aus. Das Schiff bewegt sich im Takt der Wellen. Aber es bleibt an seinem Platz. Du hörst nur noch den Wind, das Wasser und die Vögel der Insel. Du stehst auf dem Schiff. Du bestaunst die Vogelschwärme. Du versinkst in zeitlosen Gedanken. Du vergisst sogar die Kamera deines Handys. Plötzlich wirst du aus deinen Gedanken gerissen. Der Skipper wirft die Motoren an. Das Schiff kommt wieder in Bewegung. Der Anker wird gelichtet. Die Fahrt geht weiter. Zurück aufs Festland. Als du das Schiff verlässt, steht der Skipper an der Reling und verabschiedet jede Person. Du blickst ihn an. Du sagst leise »Danke!«. Du siehst seine wettergegerbte Haut. Du entdeckst auf seinem Arm ein Tattoo: Ein Anker. »Ja klar. Er ist Seemann. Das gehört zum Beruf«, denkst du. Bis dir wieder einfällt, dass einer deiner Freunde auch ein Anker-Tattoo trägt. Warum auch immer. Jedenfalls ist er kein Skipper. Er wohnt nicht einmal an der Küste.

Es gibt in der Bibel einen Satz, der dazu geführt hat, dass Menschen den Anker als ein Symbol der Hoffnung verstehen: Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele. (Hebr 6,19) Dieser Satz steht im Brief an die Hebräer. Er soll ermutigen und trösten. Er soll aufbauen und daran erinnern: Es gibt Situationen im Leben, in denen uns alles zu entgleiten droht. Es gibt Momente, in denen ich den Halt verliere. Es gibt Zeiten, in denen ich nicht mehr glauben kann, dass es mit mir oder dieser Welt noch gut weitergeht.

Aber es gibt eben auch einen Anker: die Hoffnung. Das klingt ziemlich abstrakt. »Hoffnung« steht für: Ich weiß nicht, was kommt, aber mein Leben wird nicht vergeblich sein. »Hoffnung« steht für: Es sieht so aussichtslos aus, aber irgendwoher habe ich immer noch Kraft, meinen Weg zu gehen. »Hoffnung« steht für: Diese Welt kommt mir vor wie ein tobendes Meer, aber ich weiß, wo ich hingehöre und ankern kann.

Im Brief an die Hebräer wird die Hoffnung mit Jesus Christus verknüpft. Wie er gelitten hat, gestorben ist und wieder auferstanden, so fährt er mit uns auf hoher See, in aussichtsloser Lage und wird uns dennoch durchtragen. Die Verbindung zu ihm steht. Diese Verbindung kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Diese Verbindung kann Sicherheit geben.

Zurück an die Reling des Schiffs. Du siehst den Skipper mit dem Tattoo wieder vor dir und überlegst, in welchen Unsicherheiten erlebt: das Wetter. Vielleicht ausbleibende Tourist*innen. Vielleicht die Angst, dass die Artenvielfalt auf der Insel zurückgeht. Vielleicht …?

Du denkst an deinen Freund, der voller Stolz den Anker trägt, und dir fällt ein, dass er vor kurzem seine Ausbildung geschmissen hat, weil er es nicht geschafft hat. Du hast noch gar nicht gehört, wie es jetzt für ihn weitergehen kann.

Dir fallen andere Menschen ein, die erschöpft sind, weil sie keine Kraft mehr haben.
Du denkst an dich selbst, an deine Sehnsucht nach Halt in den Stürmen deines Lebens. Und in dir steigt vielleicht eine Ahnung davon auf, wie eine innere Verbindung zu Jesus Christus dein Leben stabilisieren kann.

Während der Wind dir vom Meer her ins Gesicht bläst, wünschst du dir selbst und denen, an die du denkst: Hoffnung; einen Anker, der hält. Hoffnung, die unter die Haut geht.

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.

Georg Zimmermann, Landesjugendpfarrer in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

zurück
Seite weiterempfehlen Seite Drucken

Wir empfehlen