Andachten aus Bibel AnDenken

Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.

Cover Bibel AnDenken 2026
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April 2026
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Joh 20,29

Andacht April 2026

»Der Zweifel ist aller Weisheit Anfang»

… so lautet ein schlauer Spruch von René Descartes, jedenfalls so oder so ähnlich. Ich finde eher, »der Zweifel ist ein Scheißgefühl«. Packe ich die Prüfung? Bin ich gut genug? Habe ich mich richtig entschieden? Liebt sie mich wirklich? Ist er mir treu?

Zweifel können ganz schon bohrend sein, ob in der Schule, im Job oder in der Liebe. Sie nagen an meinen Eingeweiden und bringen mich um den Schlaf. Außerdem sind die ewigen Zweifler*innen und Bedenkenträger*innen oft nur lästig. »Mit dir kann man nicht mal ordentlich was los machen – immer diese Bedenken, was alles passieren könnte.« Spaßbremsen nennt man gerne die notorischen Kontrollfreaks, die immer auf Nummer sicher gehen.

Okay, ich gebe zu: Zweifler*innen stehen nicht so hoch im Kurs wie Menschen, die immer überzeugt und mutig vorangehen. Aber wenn es der ungläubige Thomas selbst bis ins Johannesevangelium geschafft hat, dann doch bestimmt nicht nur als negatives Abziehbild für die supergläubigen Jüngerkolleg*innen. Denn so gläubig und überzeugt waren sie auch nicht immer, wenn man mal genauer nachliest. Ist ein gesunder Zweifel doch nicht ganz so schlecht?

Also erst einmal Entwarnung: Zweifel zu haben, so wie Thomas, hat nichts mit Kontrollzwang zu tun. Zweifeln ist zuallererst ein Gefühl, das tief unten in der Magengrube entsteht. Zweifel beschleichen mich, wenn ich das Gefühl bekomme: Da stimmt was nicht! Irgendwie ist mir nicht wohl bei der Sache. Entweder ist mir das Gehörte oder Gesehene zu kompliziert oder zu einfach oder beides. Und auf sein Gefühl zu hören, kann nie schlecht sein.

Das scheint dem Thomas in der Geschichte auch so ergangen zu sein. Wie bitte? Da soll Jesus wieder lebendig geworden sein? Und dann soll er noch in diesen Raum reingekommen sein, obwohl alle Türen verrammelt waren? Und was ist bloß mit den anderen aus der Gruppe passiert? So aus dem Häuschen waren sie doch sonst auch nicht.

Irgendwie erschein dem Thomas das alles sehr suspekt. Es ist doch logisch, dass da jeder gesunde Menschenverstand sagt: Halt! Erstmal der Sache auf den Grund gehen, bevor man mitjubelt.

Jesus hat da vollstes Verständnis für den Zweifel das Thomas. Sonst würde er nicht noch einmal zurückkommen. Hier bin ich nochmal! Schau!
Tolle Geschichte! Denn es ist schön, dass Jesus den Zweifler Thomas ernst nimmt. Schließlich geht es ihm, wie es Abermillionen anderen später auch gehen wird. Sie können erst einmal nicht einfach so das glauben, was ihnen erstmal zweifelhaft erscheint. Das Blöde ist nur, dass diesen unzähligen Menschen Jesus nicht extra erscheinen wird, so wie er es bei Thomas noch getan hat. Sie mussten und müssen bis heute alleine mit ihren Zweifeln klarkommen. Deshalb der starke Spruch von Jesus: »Selig sind, die nicht sehen und dennoch glauben.« Er stempelt damit die Skepsis des Thomas nicht ab und die der anderen Zweifler*innen nach ihm auch nicht.

Zweifel sind gesund. Sie bringen mich dazu, Entscheidungen sorgsam abzuwägen, Fakten zu prüfen und andere um Rat zu fragen. Das ist gut und wichtig, bevor man loslegt. Es gibt genug Leute, die mir einflüstern wollen, was richtig und falsch ist, oder mich mit Fake News dazu bringen wollen, ihren Versprechungen auf den Leim zu gehen. Daher ganz klar: Der Zweifel ist eine Tugend und keine Form des Unglaubens!

Aber Zweifel können auch krank machen. Wenn ich dauernd an mir selbst zweifele, wenn ich jede Entscheidung ständig in Frage stelle oder mich vor lauter Zweifel erst gar nicht zu einer Entscheidung durchringen kann, drehe ich mich immer nur im Kreis, werde depressiv und verliere die Freude am Leben. Das ist zum Verzweifeln. Deshalb: Lass es erst gar nicht so weit kommen!

Doch wie komme ich aus der Nummer raus oder besser erst gar nicht rein? Wie so oft macht auch bei den Zweifeln die Dosis das Gift. Der gesunde Zweifel hört zuallererst auf den Bauch! Fühlt es sich gut an? Dann los! Rührt sich da aber etwas Blödes in meiner Magengrube, dann ist es angesagt, mal genauer hinzuschauen.
Jesus hat schon recht: Beim Glauben geht es nicht um das, was ich sehen kann. Lieben, Vertrauen, Hoffnung und vieles mehr kann ich nicht sehen, kontrollieren, überprüfen; aber dennoch sind sie real und halten mich am Leben. Glauben, vertrauen oder hoffen zu können, sind die Triebfedern und der Motor meines Glücks und meiner Lebensfreude. Die Zweifel gehören dazu und haben ihre Berechtigung. Sie helfen mir, die Bodenhaftung nicht zu verlieren, sie führen zu neuen Erkenntnissen und schützen mich vor Manipulationen.

Nicht umsonst hat der berühmte Paulus selbst gesagt: Prüfet alles, geht allem erstmal auf den Grund. Und wenn es gut ist und sich gut anfühlt, dann lasst euch darauf ein und behaltet es. So ähnlich jedenfalls.

Und das Beste zum Schluss:  Nur die Zweifelnden bringen die Welt weiter, aber nur wenn sie sich nicht gegenseitig runterziehen.
Die Zweifler*innen legen gerne die Finder in die Wunde.
Das tut erstmal weh, aber nur so können die Wunden der Welt heilen.

Amen

Florian Geith, Landesjugendpfarrer in der Evangelischen Kirche der Pfalz

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