6. Freiwilligensurvey: Junges Engagement ist stark – braucht aber bessere Bedingungen

Junge Menschen legen im Kreis ihre Hände übereinander.

Foto: Mica Asato/Pexels (Pexels Lizenz)

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Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) hat zentrale Ergebnisse des 6. Deutschen Freiwilligensurveys vorgestellt. Der Kurzbericht zeigt deutlich: Junge Menschen engagieren sich überdurchschnittlich häufig freiwillig und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Rund 39,9 Prozent der 14- bis 29-Jährigen engagieren sich freiwillig – damit liegt ihre Engagementquote über der vieler älterer Altersgruppen. Besonders junge Menschen übernehmen Verantwortung in gesellschaftlich relevanten Bereichen wie Freiwilliger Feuerwehr, Unfall- und Rettungsdienst sowie im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Der Survey bestätigt damit: Ein verpflichtendes gesellschaftliches Pflichtjahr ist kein geeignetes Instrument, da junge Menschen bereits heute in erheblichem Umfang Verantwortung übernehmen.

Gleichzeitig macht der Freiwilligensurvey strukturelle Grenzen sichtbar. Zeitliche Belastungen sind für 62 Prozent der Engagierten der häufigste Grund, ihr Engagement einzuschränken oder zu beenden. Bei Schüler*innen, Auszubildenden und Studierenden sind es sogar 80 Prozent, die Schule, Ausbildung oder Studium als zentrales Hindernis nennen. Der DBJR fordert daher verlässliche zeitliche Freiräume und gute Rahmenbedingungen, um junges Engagement nachhaltig zu sichern.

Der Survey zeigt zudem ein großes ungenutztes Engagementpotenzial: Zwei Drittel der nicht engagierten 14- bis 29-Jährigen können sich ein zukünftiges Engagement vorstellen. Um dieses Potenzial zu aktivieren, braucht es niedrigere Zugangshürden, strukturelle Verbesserungen und eine stärkere gesellschaftliche sowie politische Anerkennung von Ehrenamt.

Auch bestehende Ungleichheiten beim Zugang zum Engagement werden bestätigt. Menschen mit niedrigerem Schulabschluss engagieren sich seltener, während die Engagementquote von Menschen mit Migrationshintergrund stabil bleibt. Diese Unterschiede verweisen auf strukturelle Barrieren, die gezielt abgebaut werden müssen.

Die Digitalisierung spielt im Engagement eine unterstützende Rolle: 86 Prozent der Engagierten nutzen digitale Anwendungen zur Organisation oder Kommunikation. Rein digitales Engagement bleibt jedoch die Ausnahme. Persönliche Begegnungen und gemeinsames Erleben vor Ort bleiben zentral – auch als wirksame Antwort auf Einsamkeit.

Der 6. Deutsche Freiwilligensurvey wird seit über 25 Jahren erhoben und liefert verlässliche Daten zu freiwilligem Engagement in Deutschland. Eine vertiefte Auswertung erscheint mit dem Hauptbericht 2026.

Zum Kurzbericht des 6. Deutschen Freiwilligensurveys

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