Kindeswohl muss zum Maßstab der Klimapolitik werden

Sonne. Thermometer bei 40 Grad, Aufschrift: Klimaschutz ist Kinderschutz

Foto: aej

Seite weiterempfehlen Seite Drucken

aej unterstützt gemeinsames Positionspapier von 81 Organisationen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Klimakrise

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) hat gemeinsam mit 80 weiteren Organisationen das Positionspapier „Kindeswohl in der Klimakrise – achten, schützen, gewährleisten“ unterzeichnet. Das breite Bündnis fordert Bund, Länder und Kommunen auf, Kinderrechte und Kindeswohl konsequent in der Klima- und Anpassungspolitik zu berücksichtigen. Denn Kinder und Jugendliche haben besonders lange und stark mit den Folgen der Klimakrise zu leben, obwohl sie am wenigsten zu ihr beigetragen haben.

Hitze, Luftschadstoffe und Extremwetter gefährden die körperliche Gesundheit junger Menschen. Zugleich können die Klimakrise und die Sorge um die Zukunft psychisch belasten. Besonders betroffen sind junge Menschen, die ohnehin strukturell benachteiligt sind oder bereits körperliche oder psychische Belastungen haben. Das Positionspapier macht deshalb deutlich: Klima- und Umweltschutz sind auch Gesundheitsschutz, eine Frage sozialer Gerechtigkeit und gelebtes Kinderrecht.

„Kinder haben die Klimakrise nicht verursacht, sind aber besonders lange und schwer von ihren Folgen betroffen. Klimapolitik ist deshalb immer auch Kinderrechtspolitik. Das Kindeswohl muss bei allen klimarelevanten Entscheidungen Vorrang haben – und Kinder und Jugendliche müssen an den Entscheidungen beteiligt werden, die ihre Zukunft bestimmen“, erklärt Prof. Dr. Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes.

Klimaschutz, Anpassung und echte Beteiligung

Im Mittelpunkt des Positionspapiers stehen drei Forderungen. Bund und Länder sollen erstens ihre bestehenden rechtlichen Verpflichtungen zum Klima- und Umweltschutz konsequent einhalten und durchsetzen. Bei allen klimarelevanten Entscheidungen muss das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt werden.

Zweitens muss sich die Klimaanpassung stärker an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientieren. Dazu gehören sichere und hitzegeschützte Schulwege, gut belüftete und hitzeangepasste Schulen, Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen, begrünte Bewegungs- und Aufenthaltsorte sowie hitzeangepasste Spielplätze. Bund und Länder sollen die Kommunen mit den nötigen rechtlichen Möglichkeiten und finanziellen Mitteln ausstatten.

Drittens fordert das Bündnis eine verbindliche Beteiligung junger Menschen. Das Beteiligungsrecht aus der UN-Kinderrechtskonvention soll im Grundgesetz verankert werden. Kinder und Jugendliche sollen auf allen politischen Ebenen an klimapolitischen Entscheidungen beteiligt werden – und zwar so, dass ihre Beteiligung tatsächlich Einfluss auf die Ergebnisse hat.

PD Dr. med. Dirk Holzinger, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Vorstandsmitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG), betont: „Mit diesem Positionspapier machen wir deutlich, dass Klimaschutz, Klimaanpassung und die Beteiligung junger Menschen Voraussetzungen für ein gesundes und gerechtes Aufwachsen sind.“

Klimakrise ist auch eine Gesundheitskrise

Neben den drei Kernforderungen enthält das Papier konkrete Handlungsempfehlungen. Dazu gehören ein verbindlicher Klima- und Kindeswohl-Vorbehalt bei politischen Entscheidungen, Bildung für nachhaltige Entwicklung und politische Bildung von Anfang an, Beteiligungsformate mit realem Einfluss sowie ein Kinderrechte-Monitoring und ein „Jugend-Check“ für politische Vorhaben.

Auch die psychischen Folgen der Klimakrise müssen stärker berücksichtigt werden. „Viele Kinder und Jugendliche sind auf Grund der Klimakrise psychisch belastet. Umso wichtiger ist es, mit konsequentem Klimaschutz auch die Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen zu gestalten“, sagt Dr. Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer. Sie fordert unter anderem geschulte Fachkräfte und verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen in Schulen, Kitas und der Jugendhilfe.

Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser, Vorstandsvorsitzende des Bündnisses Kinder- und Jugendgesundheit e. V., unterstreicht die gemeinsame Verantwortung: „Als Gesellschaft tragen wir die Verantwortung, das Recht junger Menschen auf Gesundheit, Schutz und eine lebenswerte Zukunft konsequent zu gewährleisten.“

Das vollständige Positionspapier finden Sie unter: https://www.klimawandel-gesundheit.de/wp-content/uploads/2026/09/Kindeswohl_Klimakrise_Positionspapier.pdf

Das Positionspapier wird von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG), dem Kinderschutzbund, der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und dem Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit getragen. Es wurde in Kooperation mit der Schader-Stiftung in Darmstadt gemeinsam mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis erarbeitet und wird von 81 Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe, Bildung und Zivilgesellschaft unterstützt.

zurück
Seite weiterempfehlen Seite Drucken

Wir empfehlen