Andachten aus Bibel AnDenken

Die Reihe "Bibel AnDenken" erscheint in gemeinsamer Herausgeberschaft der aej mit der Konferenz der Landesjugendpfarrerinnen und Landesjugendpfarrer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie bietet Andachtsentwürfe, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Lieder, Informationen zur Jahreslosung und Monatssprüchen.

Cover BA 2023
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Januar 2023
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut! Gen. 1,31

»Alles gut!«
Andacht
Ich würde diese Andacht unter freiem Himmel und/oder mit einer Phantasiereise beginnen. Ziel der Reise ist die Hinführung zu einem biographisch besonderen Ort in der Erinnerung: Was hat diesen Ort zu einem magischen Ort für mich gemacht und ist es in meiner Erinnerung bis heute?

Wenn ihr diesen Ort gefunden habt und euch die Magie des Augenblicks wieder präsent ist, dann fragt euch, was das Besondere war. Habt ihr nur die außergewöhnliche Atmosphäre genossen? Wart ihr ganz bei euch selbst? Habt ihr eine neue Idee bekommen, einen wichtigen Entschluss gefasst? Wart ihr allein dort oder mit jemand anderem? War da ein gutes Gespräch, ein wortloses Verstehen, der erste Kuss, ein Heiratsantrag? War es ein Augenblick, an dem ihr das Gefühl hattet: »Alles ist gut«?

Hier bietet sich eine kurze Phase der Stille oder eine Musikeinspielung an.

Wenn besondere magische Momente im Leben mit einem Naturschauspiel verbunden sind, dann ist das Allerletzte, was uns beschäftigt hat – wenn überhaupt –, das astrophysische Phänomen von leuchtenden Himmelskörpern, der Schwänzeltanz der Bienen oder die alpine Plattentektonik. Was uns berührt, ist das Funkeln der Sterne, das Summen der Insekten oder der schneebedeckte Gipfel. Wir staunen über das Wunderwerk von Gottes Schöpfung. Es berührt uns, weil wir spüren, dass Leben mehr ist, als nur das, was sich erklären, beschreiben und wissenschaftlich definieren lässt.
Gottes Schöpfung ist ein Wunder und übersteigt alles menschliche Verstehen. Sie ist erstaunlich, unbegreifbar schön und wir Menschen dürfen ein Teil davon sein. Und genau das ist das Geschenk Gottes an uns als seine Geschöpfe.

»Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut«, heißt es in der biblischen Erzählung vom Entstehen der Welt. Alles, was Gott gemacht hat, hat einen Sinn. Alles ist untrennbar miteinander verwoben und ich selbst bin mittendrin. Das heißt: Auch ich habe einen Sinn! Mein Dasein, mit allem, was dazugehört, ist gewollt und erst einmal gut so, wie es ist. Wie immer mein Leben in diesem Wunderwerk aussieht: Es hat seinen Platz und ich bin ein Teil von diesem Wunder. Darüber darf ich staunen.

Doch es bleibt nicht beim Staunen. Aus dem Staunen folgt ein Handeln. Das unterscheidet mich von anderen Kreaturen. Wenn Gott sein Geschöpf namens Mensch mit Vernunft ausstattet und ihm die Verantwortung für seine Welt überträgt, heißt das, wir dürfen unser Dasein selbst ausfüllen und sinnvoll gestalten. Wir können mit dem eigenen Verstand ergründen, was wichtig und richtig ist, um dieses Wunderwerk zu bewahren und zu gestalten, als freie und verantwortungsvolle Mitarbeiter*innen Gottes sozusagen.

Momente, in denen wir vom Zauber des Augenblicks oder von der Schönheit der Natur ergriffen sind, brauchen wir wie die Luft zum Atmen. Denn die Fähigkeit zu Staunen ist eine Gabe Gottes. Sie macht uns sensibel und offen für alles, was die Vernunft übersteigt. Das Staunen ist die Antenne für das Göttliche im Leben. Über diesen Sender empfangen wir die Botschaft Gottes, dass alles gut ist und wir nie die Hoffnung verlieren dürfen, dass alles gut werden kann. Am Anfang steht das Staunen über die wunderbare Welt. Doch spätestens am Tag nach unserem magischen Augenblick gilt es, uns der Wirklichkeit dieser Welt und unseres Lebens zu stellen, um unsererseits schöpferisch darauf hinzuwirken, wie es sein könnte, damit alles gut bleibt oder wieder gut wird. Denn genau dafür braucht uns Gott. Die Sterne funkeln, weil ihr Licht sich in der Atmosphäre bricht und diese Atmosphäre zerstören wir durch ungehemmten CO2-Ausstoß. Das Summen der Insekten ist Hinweis auf die Bedeutung der Artenvielfalt für unser Ökosystem. Und die Achterbahn der Gefühle beim ersten Kuss lässt uns ahnen, wie sehr wir andere Menschen brauchen, die uns lieben, so wie wir sind.

Und so können wir erahnen, dass hinter allem, was wir sehen, eine große Idee steckt. Sie lässt sich wissenschaftlich nicht messen, aber sie wirkt dennoch. Für mich ist es die große Liebe Gottes zu dieser Welt. Eine Liebe, die diese Welt wollte und geschaffen hat. Jeder Teil darin hat seinen Sinn und sein Recht auf Leben. Auch wenn oft das Gegenteil geschieht, wenn Wälder gerodet werden, Luft verschmutzt und Meere zugemüllt werden – es muss nicht so bleiben. Wir können etwas verändern und an vielen Stellen haben wir das schon mit vielen kleinen Schritten getan. Plastik vermieden, weniger Fleisch gegessen, Bäume gepflanzt, Geflüchtete aufgenommen, Streit geschlichtet und vieles andere mehr.

Der Zauber in den vielen kleinen Augenblicken unseres Lebens ist ein Fingerzeig, wie Gott sich das Leben und unsere Welt gedacht hat: »Siehe, alles ist gut!« Und vieles wird gut, wenn wir daran glauben, die Hoffnung nicht verlieren und – vor allem – handeln.
Amen.

Florian Geith
Landesjugendpfarrer in der Evangelischen Kirche der Pfalz

 

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